1. Auflage

Ein Roman aus frühester Zeit
«VON ACHTHUNDERTACHT BIS MITTERNACHT»
Die Gowisches. Aufstieg und Untergang der Edelinge aus Wolfshagen.
Erschienen 04.2009. ISBN 978-3-9809704-7-1 Goslarsche Zeitung


Im Jahre 872. Die jungen Gowisches bereiten eine Ausfahrt vor, um für ihre Erzverhüttung auf Silber eine bessere Technologie im Frankenland auszukundschaften. Heute würden wir für solch Unterfangen von Industriespionage sprechen. Nachfolgend zwei Seiten aus Helmas beginnendem Fahrtentagebuch

Sorgsam werde ich im täglichen Wissen alles aufschreiben; hiervon die kleinen Pergamente. Bald werden wir fertig gerüstet sein. Bin ich nicht am Besten dazu ausgestattet? Ich weiß nicht wo ich herkomme. Ich kam in die Gowischen als elternlos' Findelkind - Ingram brachte mich und holte mich aus dem Stift. So bin ich zur Freien, zur Haustochter geworden. Ich vermisse hier nichts, außer meinen Ursprung, meine Quelle, der ich entsprungen. Vater, Mutter, Geschwister sind mir unbekannt, von daher nicht gebunden und kann gewiss freier als Karl in die Ferne fahren. Ja, ich verlasse keinen Stamm, weil ich keine Wurzel habe. Wohl aber weiß ich, dass der Zug gefährlich werden kann. Dennoch bin ich auch hierzu bestens gerüstet. Als ich ins Tal kam, hat Neunblütenblättertochter, mich als Findel wissend, nicht besonders unter ihre Hut und wehrhafte Ausbildung genommen? Nicht standeshaft, doch nützlich würde alles sein, was ich von ihr lerne, so sagt sie stets. Und an verborgenem Orte, wie einst Mutter Anna mit ihr, da hat sie mir das tödliche Spiel mit dem Dolche gelehrt. Jost hat mitgemacht, war mir Übungsgeselle. Wehe, mein gut Handwerkszeug komme in irgendwelcher Gefahr mir in linke Hand. Meisterin bin ich, werde ich in diesem Augenblick sein. Unter meinen zwei gröbsten Röcken habe ich das Halteleder verstärkt. Reicht der Dolche nicht, so hab' ich auch den blauen Geist, gelöst aus kupfernen Erz zum gift'gen Saft, den nehme ich mit. Und mein minnender Karl Grüenspän muss auf all' anderes sein Aug' haben; ich kann für mich und auch ihn sorgen.


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Den Planwagen mit dem Kaltblütergespann nehmen wir; Jörg und Jost reiten die Warmblüter. Zwei Laden für die Kleidung, auf dem Groben werden wir schlafen. Wasserfass, Dörrfisch, Trockenfleisch und Gerstebrot, die Pferde bekommen ihr Futter aus der Strecke. Den Herzbeutel werde ich unter dem Busen bergen. Wie bedeck ich mein Weibliches auf dem Zuge, wo leg' ich ab und wasche mich? Ach, es wird sich finden. Jost ist hitzig und hat ein Aug' auf mich. Karl ist ein überlegender Kopf und stark; ich bin ihm versprochen. Und ich zwischen beiden? Gut, dass der wackere Jörg dabei. Er weiß um Menschen, Tier und Pflanzen, liest Spur und wittert dräuende Gefahr immer der Erde nah. Und schau ich auf die Himmelsbühne geradezu im Lenzenmond? Der Gang der Verfinsterung zeigt uns den rechten Weg zum Abend. Im Morgen ich die Jungfrau bin, streift Löwen und den Krebs, geht durch Zwillinge und des Fuhrmanns Schlegel. Ei! Das wird mir nichts am Zeuge flicken - Jungfer Helma, sei so gut!

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